"h.e.l.P"      
Gutes Pferdetraining ist kein Hexenwerk  von und mit Beate Petrick

Hier wird KEIN kontinuierlicher BLOG entstehen....... ;-)

.....denn ich hasse nichts mehr als unnötigen Leistungsdruck! ;-)

Manchmal kommen mir Gedanken in den Sinn.

Manchmal zweimal die Woche, manchmal 2 Wochen gar nicht.

Manche sind wichtig, manche nicht, manche sind zum Teilen, manche nicht.

Wenn es was zu teilen gibt, dann werden Sie das hier lesen können.

Wenn gerade nicht, dann eben auch nicht.  ;-) 

 

Gedanken zum 13.5.2021:  „Talent or not Talent….“ oder  „Das soll die doch erstmal vorreiten!“

Meine Schüler sagen  oft zu mir: „Du kannst das so gut erklären! Zum ersten Mal habe ich verstanden, was ich tun soll. Warum hat mir das noch niemand so erklärt? Warum kannst du das so?“

Ganz einfach. Ich komme genau daher, wo meine Schüler auch stehen. Weder das Reiten noch der Umgang mit dem Pferd an sich wurden mir in die Wiege gelegt. Ich musste mir alles ziemlich hart erarbeiten, über Jahrzehnte hinweg Erfahrungen sammeln Doch genau das ist nun mein Vorteil, denn ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn es nicht klappt. Aber ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man es endlich kapiert hat. So kann ich genau diese Gefühle auch vermitteln.

Und  darum geht’s heute in meinem „Kein-Blog“.

Ab und an wird einem auch als Trainer abgesprochen, Dinge beurteilen zu können, die man selbst noch nicht ausgebildet hat oder geritten ist.

Mal abgesehen davon, dass einem gerade im so wichtigen Basistraining selten ganz viele „Kracher“ über den Weg laufen, die man bis in diese Sphären bringen könnte: Wenn man am Boden ein Auge für sein Pferd hat und /oder sein Pferd im Sattel „er“fühlen kann, hat man schon mal einen ziemlich gewichtigen Vorteil gegenüber reinen Technikern. Wenn man dazu noch das theoretische Wissen über Bewegungsabläufe bei Pferd und Mensch und ein Bild von den fördernden Lektionen und den dazugehörigen Belastungssituationen hat, muss man kein begnadet kerzengerade auf dem Pferd sitzender Reiter oder perfekt agierender Bodenarbeiter sein. Man sieht oder erfühlt, wohin das Pferd sein Gewicht verlagert, man weiß, wie man dagegen steuert, wenn es Not tut, man hat seinen Körper koordinativ unter Kontrolle. Das ist das Wichtigste. Genau DAS muss man weitergeben können! Ob man selbst schon 1287 Pferde bis zur Piaffe gebracht hat (die manchmal gar keine ist 😉) oder fliegende Einer-Wechsel reiten kann ist dann nicht mehr ganz so wichtig. Denn viele schwierige Dinge ergeben sich ganz einfach aus einem logischen Aufbau des Trainings mit viel Gefühl und Wissen im Hintergrund. DAS versuchen wir pferdegerecht arbeitenden Trainer unseren Schülern zu vermitteln. Und dann ist es auch nicht mehr ganz so wichtig, ob nun Reiterohr, Schulter und Absatz exakt eine Linie bilden. 😉


Gedanken zum 27.04.2021:  „"Toleranz_Part 2" oder "Was ist Debattenkultur"

Manchmal ist es schon irgendwie merkwürdig.  Da fasst doch die Zeitgeschichte gerade das zusammen, was mir  da in meinen letzten zwei "Gedanken zum....." so durch den Kopf ging.

Man kann von der Aktion #allesdichtmachen halten was man will. Aber man sollte , nein man MUSS, zurück finden zu einer sachlichen Debattenkultur und der Anerkennung der Meinung anderer. Nicht die Meinung anderer Menschen spaltet unser Miteinander, sondern die fehlende Toleranz des Gegenüber! (Link führt zu Youtube)

https://www.youtube.com/watch?v=GYVY_C1jMP8


Gedanken zum 06.04.2021:  „"Toleranz“ oder  "Leben und leben lassen"

„Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“ (Viktor E. Frankl)

 Ohhh, ohhh……. Ich schreibe über die Fähigkeit, andere Meinungen zu ertragen. Ausgerechnet ICH! Ohh Mann. 😉 

Aber ja, eben gerade ich.

Denn genau das ist wohl mein Lernauftrag der letzten Jahre gewesen. Ich übte und übe immer noch daran, Toleranz zu üben. (Solange es nicht tierschutzrelevante oder menschenverachtende Ansichten sind) Nicht nur im Bereich meiner Arbeit.  Auch im Freundes- und Bekanntenkreis bis hinein in die eigene Familie. Ob die beste Freundin in meinen Augen leicht verplant durchs Leben geht und sich manches unnötig schwer macht, oder der nahe Angehörige ein sturer Kopf ist, der keine andere Meinung gelten lässt (huch? 😉) oder der eigene GöGa die Socken linksrum in die Wäsche wirft und manchmal Dinge von sich gibt, die sich mir kaum erschließen. Oooohmmmm……. Gar nicht so einfach. Die Situation der letzten Monate hat diese Thematik noch sehr verschärft. Die Meinungen zu dieser Krise gehen in allen Bereichen weit auseinander. Da muss man schon ziemlich tolerant sein, um immer noch die Kraft für sachliche Diskussion aufzubringen. 

Was fange ich nun damit an. Bin ich das Opfer der Umstände? (Siehe letzter Text) . Bleibe ich auf meinem eigenen Extrem hängen, damit ich recht habe? Nein. Genau das sollte ich nicht tun. Denn zwischen Reiz und Reaktion liegt eben ein Raum. Ein Raum, um kurz inne zu halten und nachzudenken. Das ist schwer. Auch und gerade für mich, die mein Lebensmotto doch eigentlich lautet: „Woher soll ich wissen , was ich denke, bevor ich höre, was ich sage!“😉 Es ist ein Lernprozess.

Dieter Nuhr sagte einmal sinngemäß: „Extremist zu sein ist einfach. Man umgibt sich nur mit Gleichgesinnten, muss nicht nachdenken, denn man hat ja seine Meinung. Ob links oder rechts, man ist fest verankert. Schwer ist es „die Mitte“ zu sein. Denn „die Mitte“ ist nicht, wer sein Mäntelchen nach dem Wind hängt. „Die Mitte“ denkt nach. Über alle Positionen. „Die Mitte“ versucht, die Umstände zu verstehen, sich in alle Lager hinein zu versetzen und sich eine Meinung zu bilden. Und „die Mitte sucht nach Lösungen. Das ist anstrengend. Manchmal möchte ich lieber Extremist sein!“

Womit sich der Kreis zum letzten Text schließt. Am Ende landen wir immer im Erfordernis, nach pragmatischen Lösungen zu suchen. Egal auf welcher Lebensebene. Und dazu kommen wir nur, wenn wir den Raum zwischen Reiz und Reaktion zum Denken nutzen. Zuerst einmal tolerant und zugewandt sind und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. Ob mit dem Pferd oder den Mitmenschen. Die Betonung liegt immer auf GEMEINSAM!

PS: Ich lege übrigens die Socken nach dem Waschen links herum wieder in den Schrank! 😉


Gedanken zum 11.03.2021:  „Du Opfer!“ oder „Die große Gefahr der Selbstgerechtigkeit“

 „Die Absolutsetzung des eigenen Betroffenseins, die Vorstellung, ich empfinde mich als Opfer, also habe ich recht, ist mörderisch für eine demokratische Gesprächskultur. Denn es gibt ja andere Betroffenheiten,und da könnten andere sagen: Ich bin auch Opfer, ich meine das genaue Gegenteil.“(Wolfgang Thierse)

 Dieses sehr aktuelle Zitat von Wolfgang Thierse führte mich zu den heutigen Gedanken des Tages.

„Du Opfer“! Diese Aussage unserer Jugend meint in der heutigen Zeit einen Menschen ohne Selbstbewusstsein, ohne Selbstvertrauen und ohne Geltung in der Gesellschaft. Gemobbt, ausgeschlossen, unbeachtet.

Nun beobachte ich allerdings schon eine ganze Weile, dass sich dieses Label in anderen Fällen  offenbar auch gut zur Umsetzung eigener Interessen und Ideologien einsetzen lässt.

Immer mehr Menschen neigen dazu, aus sich selbst ein Opfer zu machen. Ein Opfer der Pandemie, ein Opfer der Gesellschaft, ein Opfer der Gruppe um sie herum, ein Opfer der Familie, ein Opfer der allgemeinen Umstände…. Egal. Irgendwas wird man schon finden.  

Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte keinesfalls die Schwierigkeiten verharmlosen, die viele Menschen in ihrem Leben zu bewältigen haben. Ich selbst bin, glaube ich, ich ziemlich gutes Beispiel, dass ein Mensch recht viel „Schicksal“ im Leben aushalten können muss. Doch geht es dabei immer um die Verhältnismäßigkeit. Ich kenne viele Menschen um mich herum, die es gerade oder auch schon länger ziemlich schwer haben. Die Nachbarin, die erst ganz  plötzlich ihren Mann verlor und mit 3 Einzelhandelsgeschäften allein da stand, um dann 4 Wochen später auch noch seit einem Jahr  das ganze Coronaschicksal voll abzufassen. Sie steht mehr oder weniger vor den Trümmern ihres Lebens. 

Die  Freundin, die als Soloselbstständige mit 2jährigem Sohn plötzlich alleinerziehend ist,  eine neue Wohnung samt Kitaplatz suchen muss. Von den Corona-Anordnungen betroffen darf sie monatelang nicht arbeiten und bricht sich, als es wieder losgehen kann, auch noch den Fuss. Das ganze Leben muss irgendwie umorganisiert werden, arbeiten und somit Lebensunterhalt verdienen fällt weiter erst einmal flach und trotzdem kommt auch sie wieder (im Wortsinn) auf die Beine.  

Nur zwei Beispiele von einigen. Diese beiden habe ich so gut wie nie jammern hören. Sie suchten nach Lösungen. Und sie haben sie gefunden. Und dann gibt’s da Menschen, die haben für jede Lösung ein Problem. Und ich glaube, manche Menschen sind inzwischen dahinter gekommen, dass man  sich genau mit der Taktik prima durchs Leben lavieren kann.

Denn wie Wolfgang Thierse oben schon schreibt: Wer Opfer ist, kann ja keine Schuld haben. Und so sind viele lieber Opfer. Haben keine Schuld. Nicht an den äußeren Umständen, nicht an den Reaktionen und Taten anderer und schon gar nicht am eigenen Leben. Schuld sind immer die anderen.  Blöd nur, wenn genau die Anderen sich eben auch als Opfer betrachten. So wandert die „Schuld“ immer von einem zum anderen. Aus Ansichten werden Ideologien und irgendwann geht es nicht mehr um gemeinsame  Lösungen, sondern nur noch um die Ideologie. Das zieht sich dann von ganz oben, sprich der Politik, über Schule und Betrieb bis hinein in Familien. 

UND: Es betrifft natürlich auch den Umgang mit unseren Pferden. Nur das diese uns genau durchschauen und schon längst eine pragmatische Lösung zum jeweiligen Thema haben. Meist gefällt einem die  dann eher nicht. Wie auch…… sie würde uns zu Einsichten zwingen. Was können wir also tun? Uns im Kleinen und zuerst einmal ganz für uns selbst über die Verhältnismäßigkeit klar werden. Ist das ein reales Problem, was ich da gerade habe? Oder ist es eigentlich mehr meine subjektive Betrachtung und Selbstwahrnehmung.

Dann: REDEN! Kann ich jemanden fragen, dem ich vertraue, was er dazu denkt? Ganz effektiv ist auch immer ein Perspektivwechsel: Wie würde ich denken, wenn ich mein Gegenüber wäre? Ich selbst arbeite jeden Tag daran, mein Gegenüber zu verstehen. Auch wenn das manchmal wirklich schwer ist. Aber man muss es versuchen. Denn das ist dann gelebte Toleranz und die löst ganz oft Probleme. Toleranz ist aber wieder ein ganz eigenes Thema. Dazu bald mehr.




Gedanken zum 22.02.2021: Muss man wirklich immer alles „loslassen“ oder „Seniorengymnastik muss Sinn machen“

In einem Forum schreibt eine Reitbeteiligung, die sich wirklich rührend und mit viel Engagement und Wissen um einen älteren Hengst kümmert, über ihre Nöte und Sorgen. Die betreffen allerdings weniger das Pferd, sondern eher das Umfeld. Die Pferdebesitzerin ist schon etwas älter und vom alten Schlag : „ Nasenriemen anziehen, vorwärts und Rübe runter“, „Da muss man nur drüber weg reiten“ etc. pp. .

 

Die Reiterin bemüht sich mehrfach in der Woche dem Pferd dann wieder zu einer halbwegs lockeren gymnastischen Arbeit zu verhelfen.

Doch meist ist das in diesen Konstellationen schwer und frustrierend für den, der sich da redlich bemüht. Denn die Pferde sind Meister darin, sich in der ungünstigen Arbeit derart zu helfen, dass sie über diverse Verspannungen Krücken bilden, die sie die gesundheitsschädliche Art der Bewegung besser aushalten lassen. Wenn dann auch noch das eine oder andere Alterszipperlein hinzukommt, dass zusätzlich „wegkompensiert“ werden will, potenziert sich das Ganze leider.

Und genau darum geht es. Wie viel Lockerheit verträgt ein älteres Pferd? Natürlich ist die erste Prämisse immer, dass ein Pferd locker seine Arbeit tun soll. 

Und da kommt der Unterschied zwischen Lockerheit und Losgelassenheit ins Spiel: Denn meiner Meinung nach ist die Losgelassenheit, genau wie alles andere, Pferde- und vor allem altersabhängig.

Wo der 7jährige wirklich alles locker machen sollte, durch den gesamten Körper schwingen sollte und damit seinen Kopf ebenfalls zufrieden von Spannung befreit, kann das bei einem 20jährigen genau umgekehrt sein. Denn die Losgelassenheit im Kopf ist essentiell für den Rest des Pferdes.

Ein 20Jähriger lässt sich aber vielleicht nicht wirklich los, wenn man versucht, ihm alle seine Krücken zu nehmen, die ihm im Zweifelsfall als Fluchttier Sicherheit geben würden. Umso älter die Pferde werden, umso mehr darf sich der Anspruch der Losgelassenheit vom Körper hin zum Kopf verschieben.

Natürlich darf man das nicht als Ausrede nehmen, um altersentsprechende Gymnastik zu vermeiden. Aber ob am Boden oder im Sattel: Ich persönlich lege bei älteren Pferden das Hauptaugenmerk verstärkt auf Stabilisation. Denn die Stabilisation im Körper gibt Sicherheit im Kopf, die Sicherheit im Kopf führt zu mehr Lockerheit im Körper. Immer in kleinen homöopathischen Dosen und auch dafür gibt es Grenzen. Das Schwierige für mich persönlich dabei ist, das anfangs manchmal nicht schöne Gangbild auszuhalten und den eigenen Anspruch, entstanden aus Erinnerung,  im Kopf „loszulassen“. Genau da, nämlich im Kopf, schließt sich dann der Kreis.

 


Gedanken zum 23.01.2021 - Wie lange ist Besonderes noch besonders oder "Ist Aussenwirkung wirklich so weichtig?"

Heute mal etwas abseits von praktischen Tipps und Tricks zur Pferdeausbildung.                                                                                                                                                                          Ich frage mich ab und an, wie manche Menschen es eigentlich schaffen, fast jeden Schritt und jede Situation ihres (Pferde-)Lebens in den sozialen Medien zu teilen. Wenn ich dann so zwei-dreimal / Woche bei Facebook stöbere und meine Seite und meine Gruppe pflege oder auch auf dem Handy im Whatsapp-Status nachschaue, finde ich Mitmenschen, deren Status /Storie/Show, wie immer es auch heißen mag, aus täglich mindestens 5-6 Postings besteht. Auch beim Pferd wird gefühlt jede zweite Aktion geteilt. Pferd liegt, Pferd guckt, Pferd spielt, Pferd arbeitet etc. pp.   Woher nehmen manche die Zeit? Haben so viele keine Familie, keinen Partner, kein anderes Leben?                                                                                            

Versteht mich nicht falsch, ich verurteile das nicht. Jeder nach seiner Fasson´.                                                                                                                                Ich persönlich allerdings, obwohl ich tatsächlich eher ein extrovertierter Mensch bin 😉, kann das nicht. Ich filme auch und dokumentiere teilweise. Das tue ich auch für meinen Job als Trainer, für meine Schüler…….. Aber ich weiß auch, dass das nicht die richtige Motivation zur Arbeit mit unseren Pferden sein kann und darf. Ich habe das sehr zurück geschraubt, als ich vor längerer Zeit merkte, dass ich teilweise schon bei einigen Übungen/ Situationen im Kopf hatte, wie das wohl auf dem Bild wirkt……. DAS wollte ich nicht mehr. Ich filme jetzt nur noch zu eigenen Kontrollzwecken oder für meine eigene Weiterbildung mit und wenn ich denke, das könnte andere interessieren.

Oder es ist ein besonders schöner oder zu Herzen gehender Schnappschuß entstanden, von dem ich glaube, dass er auch anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das ist allerdings bei weitem nicht täglich der Fall. Die besonderen Momente sind eben nicht inflationär. Und das sollten Sie nach meiner Meinung auch nicht sein. Liegts am Alter? Ein lieber jüngerer Verwandter von mir würde sagen: *augenroll* „ Boomer!“ 😉   Liegt es daran, dass ich nicht „digital native“ bin? Dass es mich viel zu viel Zeit und Hirnschmalz kostet, erst einmal hinter die Technik zu steigen, dann zu filmen, zu schneiden, hochzuladen……? Oder sind mir einfach die innigen, perfekten, schönen Momente für mich allein zu wichtig, um sie mit der ganzen Welt zu teilen? Ist das Besondere noch das Besondere , wenn es Massenware wird? Eure Gedanken dazu würden mich interessieren. Schreibt sie doch gern unter „Was bewegt Sie?“ Ins Gästebuch oder auch auf mein Facebookprofil. Aber Obacht: Rechnet nicht unbedingt mit prompter Antwort! 😉


Gedanken zum 09.01.2021 - Von der Wichtigkeit des Wissens oder "Kleine Ursache, große Wirkung" (Beispiel 2)

Wir sind noch beim selben Paar des letzten Textes, die sich inzwischen auf Volten befinden. Y. hat das mit der Energie verstanden und versucht nun, dies auf die Kreislinie mitzunehmen. Das klappt rechts nur semi-gut. ;- ) Ich lasse sie ein paar Momente probieren. Ich hab es ganz gern, wenn die Pferdebesitzer von allein dahinter kommen, was sie ändern müssen. Das bleibt nämlich dann auch gut im Hirn haften. 😉  Sie weiß, dass es an ihr liegt, kommt aber nicht dahinter. Also lasse ich beide eine Pause machen und zugucken, wie ich als imaginärer Longenführer die Volte laufe. Zuerst in Y-Manier und dann in Beate-Technik. Sofort erkennt Y. ihren Fehler. Sie läuft ihren kleinen Kreis übersetzend. Das heißt, sie setzt den linken Fuss vor den rechten. Damit kommt sie mit ihrer gesamten Körperpräsenz nach rechts, der Oberkörper kippt nach rechts, der Raum links neben ihr wird frei und das Pferd nimmt die Einladung herein zu kippen dankend an. Ich zeige ihr wie sie die Füsse setzen sollte. Den rechten nach rechts und den linken eher geradeaus. Sie kann das ganz schnell umsetzen. Der Oberkörper bleibt gerade, die ganze Körperpräsenz auf der linken Seite. So schließt sie den Raum links neben sich und das artige Pferd läuft eine schöne runde Volte ohne auf die rechte Schulter zu kippen. Ganz ohne wedeln und pitscheln. Ganz verblüfft über diese einfache Korrektur fragt Y. mich, warum ihr das bisher niemand sagen konnte. Joaaaaaa………..;-)

 

Gedanken zum 21.12.2020 - Von der Wichtigkeit des Wissens oder "Kleine Ursache, große Wirkung" (Beispiel 1)

Vorab mein Zitat der Woche: „Wir kommen nicht darum herum, die Bewegungen des Pferdes richtig und sicher fühlen zu lernen, damit wir unsere Einwirkungen in präziser Weise im passenden Augenblick placieren.“ (Udo Bürger)

Die Ausgangslage: Eine Pferdebesitzerin (nennen wir sie Y.) , mit einem 5jährigen Wallach, beide neu in meiner Trainingsgruppe, haben ihre erste Longenstunde. Wir besprechen die Probleme und stellen fest, das Pferd ist rechtshändig und seinem Alter entsprechend noch wenig balanciert auf Biegungen. Im Geradeaus geht das alles schon ganz gut. Y. hat gut vorgearbeitet, weg von den mal erlernten Techniken (auf der Stelle stehen, Pferd ausbinden und im Kreis schleudern) hat sie schon allein festgestellt, dass sie sich damit nicht gut fühlt und die Ausbinderei irgendwie als nicht richtig und vor Allem nicht nachhaltig  empfunden hat. Wir besprechen noch ein paar theoretische Dinge und sie legt los. Und wie ganz oft ist es wieder einmal die „Energie“ des Longenführers, die sich ändern darf. Der kleine Charmeur schiebt natürlich sukzessive und fast unbemerkt seine Last auf der rechten Hand in Richtung Y.

Und ganz unbewusst lässt Y sich auch Stückchen für Stückchen verschieben. Am Anfang der langen Seite auf den Hufschlag begonnen, endet die lange Seite eher auf der Viertellinie. Nun kann man da ganz viel mit der Longierpeitsche wedeln, „Raus, raus, raus“ rufen oder hopsen wie Rumpelstilzchen. Man kann aber auch seine Augen auf einen Punkt schnurgerade am Ende der langen Seite richten. In ganz kurzen Abständen immer wieder dorthin schauen und so seinen eigenen Körper geraderichten. Wenn der kleine Charmeur nun versucht, seine Energie in die Bahnmitte zu richten, ist der Raum da schon zu. Nämlich mit der Energie von Y. Sie hat den Raum besetzt, ohne auch nur einen Schritt in die Richtung des Pferdes gegangen zu sein. Einfach durch die Präsenz eines geraden Laufes.

Nichts anderes machen Pferde in der Herde. Räume mit Präsenz besetzen. Und das ist für uns kaum bis nicht sichtbar.  Genauso wie nur für geübte Augen wirklich sichtbar ist, was Y. da gerade anders gemacht hat. Doch das Pferd spürt sofort: „Ahh Physik. Wo ein Körper Raum besetzt, kann kein zweiter Körper sein……“ und marschiert auch auf der rechten Hand schnurgeradeaus. 😊 Es kostet Übung, aber es ist immer wieder ein sehr cooles Aha-Erlebnis, wenn es klappt. Und bald braucht man dann auch auf Wendungen kaum noch eine Peitsche zum Zeigen. Aber dazu bald mehr.


 

Gedanken zum 06.12.2020 - Nikolaustag: Hilfen sind zum Helfen da oder auch "Timing ist alles!"

Ob am Boden oder im Sattel, sie sind unerlässlich:  Die Hilfen, die dem Pferd sagen, was es tun soll.

Die unglaublich vielen verschieden Hilfen hier zu beschreiben sprengt jeden Rahmen und ist auch von Reitweise zu Reitweise ganz unterschiedlich. Aber eins sollte allen gemein sein: Ein gutes Timing. Waldemar Seunig wiederholte dazu häufig den Satz „Aufhören muss er (er bezog sich dabei auf den Schenkel) sofort bei Eintritt des Gehorsams“ Das gilt nicht nur für den Reiterschenkel, sondern für jegliche Hilfengebung.

Wie viele Pferdebesitzer beschweren sich über ein Pferd, dass zögerlich oder gar nicht reagiert,  „faul“ am Schenkel ist, sich nicht von Longenführer entfernt etc. pp. . In ganz vielen Fällen liegt das daran, dass das Pferd keinen Unterschied erkennen kann zwischen Reaktion und Nicht-Reaktion. Da wird dauerhaft gepitschelt, geklopft oder geschoben.  Auch wenn der Erfolg schon lange da ist……So lernt das Pferd schnell: Es macht keinen Unterschied, ob ich reagiere oder nicht und offenbar soll ich das ganze Gebahren so lange aufrecht erhalten, bis das Pitscheln, Schieben und Klopfen aufhört. Und genau das ist der falsche Weg. Herr Seunig hat nicht umsonst gesagt „sofort BEI Eintritt des Gehorsams“. Eben schon bei Eintritt, nicht erst 10 Sekunden später (im günstigen Fall) oder gar nicht mehr. Denn vor Allem bei „gar nicht mehr“ zwingen wir uns selbst in eine Schleife, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wollen wir etwas mehr, müssen wir dauerhaft etwas mehr machen. Wollen wir deutlich mehr, müssen wir dauerhaft deutlich mehr machen! Und am Ende steigen völlig fertige Reiter von völlig fertigen Pferden. Ob dabei irgendwer Spass hatte? Ich denke nicht!

Deshalb ist es so wichtig, den Pferden Spass an der Bewegung zu vermitteln und in Ausbildung und Korrektur stets darauf zu achten, eine Reaktion zu bekommen, dann aber auch SOFORT Ruhe zu geben. Anfangs wird das jede 2. Sekunde eine Aktion erfordern. Doch alle Pferde lernen sehr schnell, dass es sehr angenehm ist, einfach locker weiter zu machen, unterstützt von einem Pferdebesitzer der mit positiver Grundspannung losgelassen am Boden folgt oder im Sattel sitzt, bis eine neue Bitte an das Pferd gerichtet wird. Denn genau so macht es ganz schnell Sinn für unsere Pferde, sie fühlen sich wohl in der Arbeit und keiner der Beteiligten muss sich bis zur völligen Erschöpfung abmühen.

So wird aus Monolog und Anweisung Spiel und Dialog. Und nur so entsteht wirkliche Harmonie!


Gedanken zu einem außergewöhnlichen Advent (29.11.2020)

Was fangen wir nun an mit diesem verflixten 2020? Es neigt sich dem Ende zu und das ist auch gut so!

Ich hatte schon einige Jahre in meinem Leben, die eigentlich zum Vergessen waren. Dieses 2020 reiht sich nahtlos da ein. Auf eine andere Art als die meisten anderen, aber es reiht sich ein.  Es nervt! Und dabei bin ich persönlich noch nicht einmal stark betroffen. Meine Freunde und die Familie sind bisher gesund *aufHolzklopfe*

Ja, ich konnte im Frühjahr gut 2 Monate nicht arbeiten und auch jetzt ist es eher wieder schwierig. Aber im Vergleich zu ganz vielen anderen Menschen bin ich echt gut dran.  

Warum also nervt es so?

Weil ich Veränderungen bemerke. Veränderungen, die mir Sorge machen.  

Was ich in der Gesellschaft im Großen beobachte, nämlich Intoleranz, Zwist, Teilung und Entfremdung macht sich so langsam auch im kleineren Kreis breit. Bis hinein in die Familie. Und da geht es gar nicht immer nur um das C-Thema.

Man macht sich Gedanken:

Hatte der/die Bekannte/ Verwandte eigentlich schon immer so „abweichende“ Ansichten? Hat er/sie das bis jetzt gut versteckt, oder der hat sich das erst entwickelt?  Ist das eine wirkliche Meinung, oder ist man einfach nur „dagegen“ (egal zu welchem Thema) weil das in diesen Zeiten gegen die allgemeine Hilflosigkeit und das genervt Sein hilft? Weil man sich nützlich fühlt mit dem eigenen Dagegensein? Kann und darf ich manche Ansicht noch tolerieren?   

Viele von uns hätten gerade jetzt so viel mehr Zeit, miteinander zu reden. Auch wenn es nicht immer persönlich geht. Also lasst uns das tun.

Wenn wir im kleinen Kreis der Intoleranz, dem Zwist und der Spaltung keine Chance geben, haben wir schon viel bewirkt. Wie gesagt, es geht nicht immer um das C-Thema, es betrifft das tägliche Leben. Ich nehme mich da selbst absolut nicht aus.

Man muss nicht immer einer Meinung sein, egal worum es geht.

Aber das uralte Motto heißt: Leben und Leben lassen! Und genau das ist im Wortsinn gerade jetzt wichtiger als jemals zuvor.


Gedanken zum 22.09.2020  : "Nimm doch einfach Cavaletti!" oder: Die Crux mit den Stangen

Immer wieder lese und höre  ich überall die pauschale Empfehlung für „Cavalettitraining“.

Für jedes „Zipperlein“ beim Pferd heißt es : Nimm Stangen. Doch ist das wirklich so gut? Wie überall gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Und nicht für jedes Pferd ist Stangentraining vorteilhaft. Dazu ein kurzer Exkurs in die Bewegungsmechanik unserer Pferde.

Sie sind Meister darin Ihre Bewegungen zu automatisieren. Das bedeutet, dass sie in jeder Situation so schnell wie möglich versuchen, aus muskulärer Anstrengung herauszukommen und die Bewegung eher über die Energiespeicherfunktion Sehnen und Bänder zu vollziehen. Das macht für ein Fluchttier auch absolut Sinn. Denn jede Energie muss so effektiv wie möglich eingesetzt werden.

Die Cavaletti unterbrechen nun diesen automatisierten Bewegungsablauf und erzwingen sozusagen Muskelarbeit. Genau das ist ja auch ihr Sinn. Oft sieht man aber nun, dass Pferden relativ schnell zu viele Stangen in den Weg gelegt werden. Sie verlieren Takt und Balance und haben keine andere Chance, als sich irgendwie hinüber zu lavieren. Dabei werden dann auch gern mal die falschen Muskeln trainiert. Besonders auch recht instabile Pferde haben damit große Probleme, weil sie ihre Muskeln ohnehin schon für eine gewisse Grundstabilität meist eher kompensierend einsetzen.

Vor diesem Hintergrund wird es absolut verständlich, dass man mit Stangenarbeit sehr langsam und vorsichtig beginnen muss. Zuerst eine Stange im Schritt geradeaus, dann im Trab. Erst wenn diese Stange ohne Taktfehler in losgelassener Haltung überwunden werden kann, kommt eine zweite dazu. Diese wird unbedingt in passendem Abstand und nur im Geradeaus gelegt und auch zuerst wieder im Schritt überwunden. Werden 2 Stangen losgelassen und im Takt im Trab bewältigt, Kann eine dritte hinzukommen Und so fort.

Mehr als 4 Stangen sollte man nie legen, weil das in etwa der Abstand ist, den ein Pferd noch in einem Sprung überwinden kann, ohne Stangensalat und somit Verletzungsgefahr zu provozieren. Kann das Pferd diese Stangen fehlerfrei und losgelassen im Geradeaus bewältigen, kann man langsam anfangen, Stangen auf dem Zirkel zu verteilen Da beginnt man wieder mit lediglich einer Stange, denn die Biegung an sich ist schon eine Herausforderung für unsere Pferde.

Stangen fördernd jeweils für Kadenz oder Dehnung einzusetzen ist dann schon eher eine Aufgabe für Fortgeschrittene! Cavalettiarbeit ist anspruchsvoll und anstrengend. Das darf man nie vergessen, um unsere Pferde nicht dazu zu bringen, in ungesunden Haltungen auf die Vorhand schiebend Stangen zu überwinden. Denn das wäre dann alles andere als gesund. Also immer schön langsam, nicht nur mit den jungen Pferden. ;-)


Gedanken zum 27.08.2020  : Und was machen wir nun mit den „Superpferden“ ? oder „Weniger ist manchmal mehr“ 

Was also nun tun mit so einem „Kracher“ (siehe unten) der eigentlich den ganzen Tag auf der Suche nach Stabilität ist?
In unserem Fall geht es darum, dem Pferd zu erklären, wie man sich mit angehobenem Brustkorb bewegt.
Und zwar anfangs gaaaaaanz langsam, jeden einzelnen Schritt setzend. Aber eben akribisch darauf achtend, dass das Pferd mit Genick UND BRUSTKORB oben beibt und in Wendungen richtig rotiert.
Das ist schwieriger als man denkt. Ich habe schon Pferde gesehen die im Alltag L und M gehen und auf einmal anfingen zu eiern. Die meisten Turnierreiter üben nämlich lediglich Lektionen und fühlen meist gar nicht, ob und wie das Pferd unter ihnen rotiert. Meist kommen dann auch noch so Anweisungen wie " Schenkel innen/außen" was in solchen Fällen dann völlig kontraproduktiv wird, weil man damit nur die HH noch mehr zum Kompensieren animiert.

Heike Gersthagen aus Jenhorst in Niedersachsen hat für genau diese Problematik ihre „Bewegungsosteopathie“ ( www.Bewegungsosteopathie.de) entwickelt. 

Man nutzt mit dieser Methode keinesfalls nur die Zügel zum Hochholen. Das Ganze hat auch nichts mit absoluter Aufrichtung und kurzem Getrippel mit abgesacktem Rücken zu tun.

Anfangs werden die Pferde am Boden damit animiert, das Gewicht ganz leicht nach hinten zu verlagern und dabei die Brustmuskeln anzuziehen.
Daraus geht man ganz langsam los. Gerade bleiben ist das Zauberwort. Bei den meisten geht das zu Anfang noch nicht mal an der Bande.
Sie eiern sich dahin.  Man korrigiert nur über die Vorhand durch leichtes Zügel anlegen und von Sattel aus mit Knien und Oberschenkeln.
Durch bewusstes Aufrichten des Reiters hält man vom Sitz her das Pferd oben.

Die Unterschenkel begleiten das Pferd, beeinflussen aber die HH kaum. Der Brustkorb soll oben bleiben, das Pferd ganz gerade und spurig gehen und die Kruppe soll sich geradeziehend nur folgen. Anderenfalls kippen sie vorn nämlich wieder vorn runter und in falsche Rotationen.

Wenn die Pferde das verstanden haben, werden sie ganz eifrig. Später trabt man dann genauso langsam an, nimmt auch da Wendungen hinzu und achtet über Bügeltritt und Knie/Oberschenkel wieder auf richtige Rotation. Das Becken folgt dann nach und nach. Die Pferde fangen an zu tanzen.  Wenn man das im Trab geschafft hat, geht man geradeaus zu mehr Schwung über und passt akribisch auf, dass sie nicht wieder anfangen sich nach vorn unten zu schieben.
Das Ganze dauert je nach Pferd und Trainingsintensität zwischen 2 Monaten und einem Jahr. Je nachdem wie sie gebaut sind und wie lange sie schon vorhandlastig und mit falscher Rotation herum laufen.

Ach ja: Pausen werden im Stehen in völliger Dehnung gemacht und später tastet man sich heran, wie weit man den Hals aus dem Widerrist fallen lassen kann, ohne dass das Pferd wieder nach vorn kippt. Wir stellen also eine vertikale Waage her. Und genau das ist dann nämlich auch Dehnungshaltung und nicht lediglich " Vorwärts-Abwärts". ;-)

 Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit meinem „Kleinen“ Schwarzen 😉 auf Heike Gersthagen gestoßen bin. Ich habe aber bisher noch keine Methode gefunden, in der so explizit auf die Fehlrotationen im Brustkorb und daraus resultierend im Becken eingegangen wird. Und genau DAS ist der Knusus Knacksus bei allen Pferden. Vor allem aber bei den modernen, die ihre Muskeln zu 80% zum Stabilisieren ihrer Überbeweglichkeit brauchen. ;-(

Wer sich dafür interessiert folgt uns gern auf Facebook. (siehe unten).


Gedanken zum 19.08.2020:  "Problempferde“ oder von „Wollen und können“ 

In der letzten Cavallo gab es einen Artikel über sogenannte "Superpferde".  Also die Bewegungskünstler, die hochgezüchtet dann Probleme mit ihrer Balance bekommen. Dazu konnte man auch einige Tipps zum Training mit diesen Pferden lesen. Ich bilde seit 6 Jahren meine junge Stute mit recht passabler Dressurabstammung ;-) aus und weiß genau, worum es da geht. Man kann sich schnell täuschen in solchen Pferden, die mit ihren langen Beinen und in unserem Fall auch noch extremem Stockmaß von 1,80m mit einem Schwerpunkt wie ein Segelboot am Mast herumlaufen. dazu kommt, dass sie auf Beweglichkeit gezogen sind. Das heißt Sehnen, Bänder und Bindegewebe sind möglichst "elastisch" . Nicht immer ist so ein Pferd gleich hypermobil im klassischen Sinne. Das ist dann natürlich die besondere Crux an der Sache.

Aber auch schon das andauernde Gefühl einer gewissen "Schwammigkeit" und Instabilität ist für unsere modernen Pferde kein Grund, sich in der Arbeit besonders wohl zu fühlen.

Diese Malessen werden dann mit Muskelverspannungen kompensiert. Bevorzugt laufen diese Pferde schiebend vorwärts, schieben sich so nach vorne unten in ihr Brustbein hinein und laufen auf der Vorhand ihrem Schwerpunkt hinterher. Die Oberlinie und der Unterhals werden zum stabilisieren benutzt und somit wird der lange Rückenmuskel als Bewegungsmuskel völlig festgestellt und ausgeschaltet. Die Pferde werden zu Schenkelgängern. Fesselträger- und Gelenkproblematiken sind vorprogrammiert.

Gibt es dann zusätzlich noch ein Problem mit der Verbindung des Beckens zum Rücken, gelingt es diesen Pferden überhaupt nur noch über den Schub sich gerade zu machen und der Teufelskreis ist geschlossen. Möchte man irgendwann Versammlung, kommt man an Grenzen. Denn ohne Geraderichtung keine Versammlungsfähigkeit.

Das Schlimme ist, dass genau diese Pferde aber auch meist extrem leistungsbereit sind und dem Menschen immer gefallen wollen. Dass sie das nicht können endet dann für alle Beteiligten oft in einer Frustschleife bis hin zu heftigen Wehrigkeiten.

Nicht immer sind "Vorwärts", Cavaletti und Seitengänge (meist eh nur kompensatorisch vom Pferd ausgeführt) die Lösung des Problems.

Diesen Pferden (und nicht nur diese, sondern eigentlich allen) muss erklärt werden, wie sie sich mit angehobenem Brustkorb koordinieren können. Langsam, mit viel Zeit und Geduld und natürlich mit Sachverstand. Das hat übrigens absolut nichts mit strittigen Methoden von Dehnungshaltungsgegnern zu tun. Versucht eure Pferde zu verstehen, bildet euch weiter, denkt um die Ecke. Und vor Allem: Beobachtet und fühlt gut in eure Pferde hinein.  


Gedanken zum 14.07.2020:  "Du musst der Boss deines Pferdes sein??".......oder: „Was ist Souveränität?“

Meine Meinung zu einer Frage in Facebook nach einem guten Buch über Beziehungsarbeit am Pferd:                             

Beziehungsarbeit ist nicht Arbeit am Pferd sondern Arbeit an sich selbst. Dafür kann es keine allgemeingültige Gebrauchsanweisung geben.

Pauschal gesagt: Wissen erwerben, Sicherheit aufbauen, Auge schulen...... etc. = Souveränität erlangen.

Souveränität hat nichts mit Dominanz und "Herrschaft"  im herkömmlich verstandenen Sinne zu tun.

Souveränität beginnt nicht erst bei der Arbeit sondern schon beim Aussuchen des passenden Stalles und der Einstellung zu Haltung und Fütterung.

Souveränität lässt Fragen zu, gibt Antworten und weiß immer einen Alternativweg.

Souveränität motiviert beide Seiten und ergibt am Ende genau das Verhältnis, dass sich alle immer wünschen.

Wie jeder für sich dahin kommt ist unterschiedlich.

Wenn man da ist, quittieren es alle Pferde auf die gleiche Art. Egal in welchem "System":

Mit Vertrauen, Liebe, Gesundheit und Motivation. Aber man kann und darf eben nicht ausschließlich beim Pferd ansetzen.....


Gedanken zum 19.06.2020 „Das Ding mit dem Tellerrand“ oder: Was der Bauer nicht kennt….“

Die weit verbreitete Meinung: „Das haben wir schon immer so gemacht und basta!“ ist leider noch viel zu oft anzutreffen. Ich versteh das in den allermeisten Fällen auch. Bin ich doch selbst auch eher der Typ, der es mag, wenn alles schön in bekannten, geordneten Bahnen verläuft und solange alles gut funktioniert gibt es ja auch keinen Grund was zu ändern.

Wirklich nicht? Mal abgesehen davon, dass auch „Gut“ ab und an immer noch besser und/oder einfacher und/oder gesünder gehen kann, muss man aber spätestens dann über den Tellerrand schauen, wenn man in einer Sackgasse steckt. Auch wenn die Sackgasse neudeutsch heute eher „Lernplateau“ heißt, bleibt doch der Umstand, dass es von da aus im besten Fall oft nicht weiter geht. Im schlimmeren Fall eher rückwärts. 

Betrifft es nur den Menschen selbst, ist das noch jedermanns Eigenverantwortung, die er höchstens sich selbst und seiner Familie gegenüber erklären und verantworten muss. Ich erlebe das gerade selbst im Zusammenhang mit einem Lebensabschnitt, der in einigen Dingen Umdenken erfordert.  Kommen aber  auch noch unsere Pferde ins Spiel, ist es an uns, sich offen und bereit zu zeigen, ungewohnte Wege zu gehen, neue Entscheidungen zu treffen auch wenn sie manchmal vielleicht in der Konsequenz nicht angenehm sind. Weil man damit vielleicht nicht dem Mainstream entspricht,  plötzlich die eigene bisherige Meinung als nicht ganz richtig erkennt oder einige Dinge eben unbequem oder zeitaufwändig sind.   

Wir sind es unseren Pferden allerdings schuldig, zu ihrem Wohl über den Tellerrand zu schauen. Das hat nichts mit „Methodenhopping“ zu tun. Man muss schon mal eine Weile dran bleiben um zu einem Ergebnis zu kommen. Das kann aber dann auch heißen: Dies ist nicht der richtige Weg!

Dinge ausprobieren, in sich selbst und sein Pferd hineinhorchen, vielleicht ein wenig abwandeln, wieder den Bauch befragen und bei Bedarf neu entscheiden: Manchmal ergeben sich dabei sogar Möglichkeiten, an die man bisher noch gar nicht gedacht, oder von denen man nur geträumt hat. In diesem Sinne: Traut euch!


Gedanken zum 05.06.2020  oder “Du bist immer so schön strukturiert!“

Achtung! Heute wird es persönlich. Ich bin ja sonst nicht so der Typ, der sein Innerstes nach außen kehrt. Da hätte ich manchmal auch viel zu tun… 😉 Und ganz ehrlich: Ich denke, dass es auch nicht günstig ist, sich selbst einen derartigen öffentlichen Seelen-Stripties zu verpassen. Aber heute tue ich das ausnahmsweise mal, weil ich denke, es geht nicht nur mir so und der/die Eine oder Andere kann vielleicht für sich was mitnehmen. Oder: Der/die Eine oder Andere hat vielleicht noch einen Tipp……  Und : Es tut mal ganz gut, das aufzuschreiben.

Ich bin ja schon immer eher der Kopfmensch. Das hat Vorteile im Leben, vor Allem, wenn man als Buchhalter und Selbstständiger arbeitet. Struktur, Klarheit, Fokus, Ordnung sind meine Stärken. Und meine Schwächen. 😉 Warum? Weil Menschen wie ich schnell vergessen, ihren Bauch zu benutzen. Dabei hat mir die Natur eigentlich eine ganze Menge Bauch verpasst. Leider nur physisch…… 😉

Ich bin ja Baujahr 1964 und inzwischen in einem Alter, zu dem eine liebe Freundin mal „Spätpubertierend“ sagte. Genau! Die Hormone stehen Kopf und ich darf sie auf Grund einer Vorerkrankung einfach mal machen lassen. Nix mit Gegensteuern oder so. Bioresonanz hilft ein wenig. Aber eben wenig……Ich bin unkonzentriert, manchmal planlos, ab und an lustlos…..Das ist ANSTRENGEND!  Das bin doch nicht ich!  Das macht keinen Spass. Mir nicht und Allen um mich rum auch nicht.

Der GöGa ist super verständnisvoll. Auch weil ich ihm versucht habe zu erklären, wie es gerade in mir aussieht und dass das alles nichts mit ihm zu tun hat. Trotzdem hat er es nicht leicht. Und meine Pferde haben es auch nicht leicht.

Die Omi ist inzwischen 27 und eine ziemlich heftige Zahnsache verbunden mit enormen körperlichen Zusammenfall  führte vor 4 Wochen dazu, dass ich kurz davor war, sie gehen zu lassen. Zum Glück hat meine super Tierärztin noch mal was retten können.  Meine SB kümmern sich engagiert und rührend und haben alle Sonderregelungen möglich gemacht, die man so bekommen kann.  

Das „Kleine Schwarze“ also meine Maggie tut sich schwer in ihrer jetzigen Ausbildung und mit ihren kleinen Gebäudemalessen. Da heißt es Ansprüche zurück schrauben, andere Wege gehen, teilweise zurück auf „Los“. 

Die ganze Corona-Situation führte zu zweieinhalb Monaten Berufsverbot. Die Flucht in die Arbeit fiel also auch weg und man war ganz auf sich zurück geworfen.

All das ist gerade genau das Gegenteil von Entspannung. Zeit zum Nachdenken, mal wieder. Und am Ende die Erkenntnis: Weniger ist mehr. Wer hätte das gedacht. 😉  

Weniger Internet weniger Anspruch, weniger Perfektion.  Mehr Natur, mehr Ruhe, mehr Abgrenzung.

Warum muss man eigentlich erst deutlich über die Hälfte seines Lebens rum kriegen, um langsam zu solchen Einsichten zu kommen?  Ich hätte gerne schon mit 40 die Kurve gekriegt, in die ich erst  jetzt offenbar reinfahre.  Ich hoffe, ich kriege sie bald! In diesem Sinne, Allen denen es (egal in welchem Alter) gerade genauso geht viel Kraft und vor allem Muße. Ich glaube wir werden beides brauchen.


Gedanken vom 20.5.2020 zum Thema : "Analog ist unverzichtbar!"

Hurra! Ich darf wieder arbeiten. Nach über 2 Monaten Stillstand haben jetzt die ersten Ställe wieder externe Trainer zugelassen. So kann also  am 30.5. ein Trainingstag in Hoppegarten stattfinden und auch der regelmäßige mobile Unterricht startet teilweise wieder.  Noch nicht überall, aber doch hier und da. Das ist schön. Denn ich habe zwar anfangs überlegt, ob ich mich am überbordenden Allgemein- Online-Angebot beteilige, mich aber dagegen entschieden.

Persönlichen Online-Unterricht gebe ich  schon seit Jahren. Und das wird auch so bleiben. Doch der Zug „Online-Messe“, „Online-Kurse“ etc. fährt auch ganz gut ohne mich weiter. Ich persönlich bin zeitlich und aufnahmetechnisch 😉 von diesem Massenangebot als Nutzer schon ziemlich überfordert. Persönliche Onlinehilfe für mich und meine Pferde von einem Trainer meiner Wahl  sind wertvoll und das nutze ich auch regelmäßig. Der ganze Rest ist mir aber einfach als Konsument inzwischen zu viel.

Trotzdem war das alles sicher auch eine große Chance für einige Pferdebesitzer, selbst neu über den Tellerrand zu schauen und vielleicht die eigenen Ansichten zu überdenken oder zu erweitern. Dann hätte alles wenigstens einen schönen Sinn gehabt. Doch als Trainer weiß ich auch: Nichts kann guten Präsenzunterricht vollständig ersetzen. Deshalb ist es gut, wichtig und richtig, dass wir jetzt wieder loslegen können. Ich freu mich auf Euch!


Gedanken vom 25.03.2020 zum Thema "Vom Ich zum Wir !" oder  "Kraftverschwendung macht keinen Sinn"

Ich finde es wirklich anstrengend, wieviel Halbwissen und Vermutungen und Ansichten zu Verfahrensweisen zur Zeit im Netz kursieren.
Ich finde diese ganze Diskussion in den sozialen Medien ermüdend, teilweise egoistisch, nicht sehr empathisch und vor allem unnötig. Wir haben doch alle genug Kraft zu investieren um unser Leben derzeit zu managen. Vielen bricht gerade die Existenz weg.  Alle möchten gesund bleiben. Die meisten haben Anforderungen zu bewältigen, die sie so noch nie hatten.  
Dann konzentrieren wir doch einfach unsere Kraft darauf.

Aus diesen ewigen Mutmaßungen und Gerüchten entstehen Diskussionen, die eigentlich nicht notwendig sind, wenn alle  Stallbesitzer und Einsteller sich bei den relevanten Stellen informieren.  
Ich sehe das ganze  mehr aus Sicht des Stallbetreibers, weil ich als Buchhalterin eines größeren Hofes gerade arg dazu gefordert bin. Ich habe einen größeren Teil des Organisatorischen zu erledigen, damit sich meine Chefin um die Praxis kümmern kann.
Ich bin froh, dass unser Ministerium für Landwirtschaft in Brandenburg nun endlich eine klare Anweisung rausgegeben hat.
https://mluk.brandenburg.de/mluk/de/start/aktuelles/coronasituation/hinweise-zur-versorgung-von-pferden/

 Ich denke, sowas wird es auch in anderen Kreisen und Ländern geben. Also machen wir uns doch da schlau und nicht über die Gerüchte bei FB und Co.
Am Montag haben wir uns z.B. einen ganzen Vormittag von Stelle zu Stelle telefoniert, um Infos einzuholen. Die Entscheidungen, was zu tun und zu lassen ist, haben wir uns nicht leicht gemacht.  Das macht als Stallbesi und Mitarbeiter auch keinen Spass, das könnt ihr mir glauben! :-(

 Ich glaube, da macht sich kaum ein  Einsteller wirklich  ein Bild von. Wir sind genauso angespannt wie alle, zumal wir alle auch noch Pferdebesitzer sind.
Wir sind verantwortlich für die Durchsetzung der Vorschriften und haftbar für alles. Wir müssen alles dokumentieren, wer, wann, wo, wie lange etc..
Das alles wird hier in Brandenburg bereits kontrolliert, obwohl es gerade erst zwei Tage verschärft so ist, wie es ist.

Ich glaube nicht, dass es in Fällen, wo ein Pferd aus Alters-oder sonstigen Gründen vermehrt Pflege braucht, keinen Weg dazu geben wird. Der Rest MUSS sich einschränken und an alles halten. Denn nur dann haben wir alle eine Chance, zwar limitiert und einzeln, aber doch recht sicher, auch weiter zu unseren Pferden zu dürfen. Ich verstehe ehrlich gesagt jeden Stallbesitzer, der  keine Lust auf solchen Mist hat und den Hof zumacht, wenn er genug Leute hat, die die Arbeit schaffen. Oder eben auch, weil er eben nicht genug Leute hat, um die ganze Diskussion zu führen und noch die Anforderungen der Behörden zu erfüllen.

Die Stallbetreiber führen hier keinen Krieg gegen Einsteller!  Und es gibt auch nicht "die  eine oder die andere Seite"......Es sollte für alle nur Eines wichtig sein:

Wie WIR diese Herausforderung GEMEINSAM meistern. Bleibt weiter schön gesund!


Gedanken vom 16.03.2020  zum Thema „Verantwortung“ oder "Auch im Freien gibt es Regeln"

Was man eigentlich alles hat und kann erkennt man immer dann, wenn es nicht mehr da ist.  Genauso geht uns das jetzt im Zeichen von Covid19. Seit heute  sind auch alle Sportbetriebe  einzustellen. Der Sport mit Tieren darf sich nur auf das für das Tierwohl Notwendigste beschränken. Das ist etwas schwammig, aber bei genügend Bewusstsein für das Wohl  der Menschen um sich herum und auch für die Gesundheit der eigenen und der Pferde anderer eigentlich ziemlich klar:  Jeder, der nicht unmittelbar zum Pferd gehört, bleibt bitte vor dem Tor. Der Familien- oder Freundesausflug zum Pony fällt aus! In Gemeinschaftsräumen und Toiletten achtet jeder auf seinen Schutz. Wie das geht, ist jetzt seit Wochen genug thematisiert worden. So ist jeder Mensch  so gut es geht geschützt. Was hat das nun  direkt mit unseren Pferden zu tun? Erstens:  Covid 19 ist eine Zoonose. Es kam von einem Tier...... mehr weiß man zu dem Thema noch nicht. Doch viel wichtiger ist doch: Schützt eure Stallbetreiber und deren Familien. Denn sie sind es, die dafür verantwortlich sind, unsere Pferde zu versorgen. Auch dann, wenn sie dabei auf sich allein gestellt sein sollten! Bereits jetzt gibt es Probleme in einigen Ställen, weil man 45 Pferde in Boxen, aber wegen Quarantäne kein Personal mehr hat. In vielen Branchen bangen momentan viele Unternehmer um ihren Umsatz und damit ihre Existenz. In unserer Branche hängen an der ganzen Sache neben den menschlichen Schicksalen  aber außerdem auch noch unsere Pferde dran. Macht euch das bewusst und überlegt euch gut, was in diesen Tagen nötig ist und was nicht.                              In diesem Sinne: Bleibt alle schön gesund!  

 


Gedanken vom 09.02.2020  zum Thema „Henne oder Ei“ oder auch „Ist überbaut immer überbaut?“

 Manchmal sind ja so Facebook- und andere Postings ganz nützlich, um mal wieder eigene Gedanken zu formulieren. In einer Gruppe gabs vor Kurzem die Diskussion, ob vielleicht eine bestimmte Haltung, die einem Pferd antrainiert wird (in diesem Fall das „Kopf tief“) in der Lage ist, Muskulatur zu trainieren. Hier vor allem Muskulatur, die das „leicht überbaute“, mit einem kleinen Hängebauch ausgestattete Pferd in einen besseren Oberlinienzustand bringen sollte. Nun ist das ein Feld, auf dem man ganz viel aneinander vorbeischreiben kann. Das passierte auch hier. Aber eins bleibt doch eigentlich immer wahr: Pferde sollen von hinten nach vorn trainiert werden.

Dass ein „Kopf tief“ ein Pferd in einen entspannteren Modus bringen kann und damit auch dazu beiträgt, dass Bewegung überhaupt erst gymnastisch wertvoll ausgeführt wird, bestreitet wohl niemand ernsthaft. Aber das reine Erarbeiten von guter Gesamthaltung über eine ankonditionierte Einzelhaltung selbst ist für mich nicht der richtige Weg. Und ich bin auch ziemlich sicher, dass das gar nicht geht!

Es gibt einen ne.udeutsch so schön formulierten Merksatz: „Form follows function“, "Die Funktion bedingt die Form" oder von mir ganz frei übersetzt: „Bewegung macht Haltung". Gerade bei Pferden die wirklich oder auch nur gefühlt überbaut sind, hilft nur der Weg über die Dynamik der Hinterbeine, die man über den Rücken und einen unmanipulierten Hals bis hin ins Genick und zum Maul erarbeiten muss.  Ist diese Dynamik da, hat man über das automatisch dadurch erfolgte Bauchmuskeltraining auch den Rücken als Bewegungszentrale frei und kann dann ganz vorsichtig versuchen, diese Dynamik in einen schönen Spannungsbogen umzulenken. Alles andere führt zu weiterem Absacken des Brustkorbes in den Rumpfträger hinein. Die, die wirklich überbaut sind, verbessern sich dadurch sehr, die die nie überbaut, sondern nur im Rumpfträger abgesackt waren, verlieren den Eindruck einer Kinderrutsche völlig. Versucht es einfach mal. Das geht schon im Schritt! Der nebenstehende Film entstand an einem Tag, an dem meine Stute sich bei Ekelwetter den ganzen Tag an der Heuraufe  so richtig in ihren Rumpfträger hinein gehangen hatte. Bei 1,80m Stockmaß und fast 800kg nicht so günstig .;-) Man kann ganz gut erkennen, wie lediglich die Schrittlängenveränderungen in Kombination mit den Volten über den ständigen Wechsel zwischen tragen und schieben die Hinterbeindynamik verbessern und die Vorhand aus dem Abwärtstrend holen. Ohne Hilfszügel, ohne pieken und ziehen. ;-)  Wenn euer Pferd vor dem Training beim Putzen noch „überbaut“ war und danach nicht mehr, habt ihr alles richtig gemacht. 😉


Gedanken vom 01.02.2020 zum Thema „Von Anspruch und Umsetzung….. oder: Dein Pferd muss doch schon…….“

Immer wieder erleben wir Pferdebesitzer solche Situationen. Vor allem die unter uns, die sich vielleicht ein Pferd einer bestimmten Linie oder Rasse angeschafft haben. „Was kann denn der/die schon so?“ „Der/ die ist doch schon 7 (oder 8 oder 9)!“ 

Jooooaaaa, was kann er/sie schon? Und was bedeutet das für den Besitzer? Genau darauf kommt es nämlich an. Niemand muss uns sagen, was unser Pferd können soll oder muss. In erster Linie muss es Spaß haben am geritten/ gearbeitet  werden  und muss so trainiert werden, dass es eine Chance hat, gesund zu bleiben. Langsamer Muskelaufbau und gesunde Kraftentwicklung bei minimaler Hilfengebung sind das hehre Ziel. Das betrifft die Pferdebesitzer mit „Sportanspruch“ genauso wie die mit „Freizeitmotivation“.

Jedes Pferd gibt sein persönliches Optimum vor. Der Kalti wird nie Grand Prix gehen wie ein Warmblut. Wer das versucht, wird dem Pferd schaden. Der Araber wird keinen Bierwagen ziehen und der Dressurcrack sich schwer tun mit 1,50m-Oxern. Was allen gleich ist, ist die Notwendigkeit einer vernünftigen Grundausbildung. Und das kann der eine Pferdebesitzer eben schon mit 6 abgeschlossen haben und  der nächste erst mit 10. Der eine tuts jeden Tag auf dem Reitplatz, der andere geht ins Gelände oder baut ganz verschiedene andere Abwechslungen ein, zum Beispiel auch mal eine Garrocha für die Biegung. Es kommt auch da auf das Pferd und seine körperlichen Möglichkeiten an, aber auch auf Zeit und Können des Besitzers. Für viele  ist es schwer, neben der (oft nicht pferde-affinen) Familie, dem Vollzeitjob, den man meist hat, wenn man sich ein Pferd leisten kann und diversen anderen Verpflichtungen genug Zeit und Muße abzuzweigen, um sich auch noch entspannt einer regelmäßigen guten Ausbildung zu widmen. Da dauert es  dann eben beim Einen länger und beim Anderen weniger lang. Wichtig ist nur: Sind Sie und Ihr Pferd auf einem guten Weg? Wie lang der ist, ist eigentlich ganz egal, denn er ist ja bekanntlich auch das Ziel. In diesem Sinne: Viel Spaß und Gelassenheit im Umgang mit Anspruch und Umsetzung! 😊



Gedanken vom 25.1.2020 zum Thema „Schritt ist nur zum Gelenke aufwärmen da.......“

Der Schritt- für viele nur Mittel zum Zweck……

Ich gebe zu, auch für mich war das lange so. Was ist schon Schritt. Der ist zum Rumbummeln und zum Aufwärmen gut. Gearbeitet wird in Trab und Galopp. Lange Jahre war das auch meine Meinung. Bis ich in einer Trainerweiterbildung Ralf Döringshoff traf. Er ist Pferdewirtschaftsmeister, Pferdeosteopath und Trainer B Leistungssport und in dieser Kombi fachlich wirklich einer der Besten. Bei ihm lernte ich bewusst, was SchrittARBEIT bedeutet. Nämlich Arbeit! Und zwar für Reiter und Pferd. Bewusst und mit biomechanischem und gymnastischem Hintergrundwissen geritten, hat der Schritt gleich mehrere Effekte. Getragen und gesetzt im Geradeaus oder kombiniert mit Volten oder Schulterwendungen (¼ Hinterhandwendung mit geradem Hals oder in leichter Außenstellung) kann man gut zwischen Tragen und Schieben variieren, macht die Schultern freier und entlastet so die Vorhand.

Groß und gelassen durch den ganzen Körper schreitend, die Nickbewegung vom Reiter mit der Hand deutlich zulassend, lösen sich sehr gut alle Verspannungen, die sich so im Pferd befinden können. Gut zu erkennen an zunehmender Nickbewegung nach nur ein paar Minuten. Später im Zusammenspiel mit SW oder Seitengängen kann man ganz gezielt einzelne Hinterbeine ansteuern und kräftigen. Das geht übrigens auch ganz hervorragend an der Longe oder bei der Arbeit an der Hand. Ältere oder rekonvaleszente Pferde profitieren enorm von dieser Art Arbeit. Meine eigene „Omi“ Don -Röschen (wird im März 27 Jahre alt) arbeitet seit 2 Jahren fast nur noch im Schritt ohne Reiter und sieht muskulär ihrem Alter entsprechend wirklich gut aus. Und das Wichtigste: Die Pferde haben Spass dabei und merken kaum, dass sie tatsächlich richtig Arbeiten. Wer es probiert wird feststellen, dass nach 20 Minuten deutlich tiefer geatmet wird und die Anstrengung spürbar ist. Also: Einfach einmal ausprobieren. Wenn man es korrekt machen will, ist das für beide Seiten auch eine schöne Herausforderung. 😉

Gedanken vom 4.1.2020 zum Thema „Longieren.... Warum der Kreis nicht der Anfang sein kann und darf!“

Mein Spezialgebiet ist ja das Longieren, wie einige wissen. 😉 Immer wieder kommt die Frage auf, warum Pferde sich beim Longieren entziehen. Wahlweise stehen bleiben, wegstürmen, rasen, dem Longenführer auf den Schoß wollen etc. pp.  Zu oft sehe ich Longenführer, die aufrüsten, zu Hilfszügeln greifen oder permanent mit der Peitsche die „Fehler“ ihres Pferdes korrigieren, die sie allerdings als Longenführer selbst durch missverständliche bis falsche Körperpositionen ausgelöst haben! Ganz oft gehörte Bemerkung: "Der/die hat einfach keinen Bock auf Longieren!"

FALSCH!

Der Kreis in Stellung und Biegung, locker in allen drei Gangarten, vielleicht noch mit Wechseln aus leichter Versammlung und Zulegen, ist das Idealziel der Ausbildung an der einfachen Longe. Er kann aber nicht der Anfang sein. 

Der Kreis wird massiv unterschätzt. Ob an der Longe oder unter dem Sattel. Pferde müssen zuerst einmal  lernen, auf einem Kreis die Balance wieder zu finden. Eine Balance, die unsere Vorstellung von Balance ist. Nicht die unserer Pferde. Runde um Runde werden Pferde auf einem Zirkel gearbeitet, das Pferd kippt auf die innere Schulter, das innere VB kann schon gar nicht mehr und stampft sich in den Fesselträger hinein :-(.

Die Kruppe weicht nach außen aus, das Genick verkantet und ich höre vom RL auch noch: „Inneres Bein !! Inneres Bein!!“ statt einfach mal sehr viel schneller die Hand zu wechseln. Bei jungen Pferden ist da manchmal noch nicht mal ein ganzer Zirkel drin. Der Kreis ist für Pferde ebene gerade Schwerstarbeit. Vor allem auf der steifen Seite, weil jedes Dehnen und Verschieben der dem Pferd angenehmen Balancesituation zu Adrenalinschüben führt. Pferde sind auf dem Kreis der Flieh- und Scherkraft ausgesetzt, haben Balanceprobleme und bekommen Stress. Und diese Probleme erzeugen im Fluchttier Pferd Angst, weil es sich auf seinen Füssen nicht sicher fühlt. Von den körperlich schädlichen Kompensationen fang ich gar nicht erst an. Genau das führt zu Reaktionen wie umdrehen, wegstürmen, ausfallen, mauern...... etc. pp. Lernen tun sie in diesen Situationen gar nichts. Hilfszügel verstärken die Reaktionen durch die Fixierung des Halses noch und verspannen das Pferd zusätzlich. Ich beginne das Longieren entweder ganz langsam auf dicht mit Führübungen, die nur kurz eine Kreislinie abbilden, dann wieder geradeaus gehen. Dabei bitte ich das Pferd IM RICHTIGEN BIOMECHANISCHEN MOMENT immer mal wieder um leichte Stellung. Merke ich ausweichen oder Unwillen, geh ich sofort geradeaus und versuche es erneut. Pferde, die die Nähe schlecht ertragen, machen das auf etwa 2 m Entfernung ganze Bahn im Wechsel mit großen Voltenansätzen. Diese Art Arbeit setzt natürlich voraus, dass man sein Pferd auf Abstand geradeaus longieren und über den eigenen Körper auf jeden Weg dirigieren kann, was schwieriger ist, als manche glauben. ;-) Probiert es einfach mal aus.


 Gedanken vom 12.11.2019 zum Thema  „Die Komfortzone 2.0“ oder auch „ Das macht er zu Hause sonst immer viel besser……. „

 Ort: Ein Kurs in Deutschland, Thema: Longieren, 7 Teilnehmer mit 8 ganz unterschiedlichen Pferden. Quarter, Warmblut, Haflinger, Tinker……… fast alle sind in der ersten Einheit etwas aufgeregt. Neue Halle, weg von zu Hause, Besitzer unter Spannung wegen Kurssituation etc. pp. Wir üben uns langsam an alles heran und das Wochenende nimmt seinen Lauf. Manche Pferde gehen in kleinen, manche in größeren Schritten voran, bei allem erkennt man schnell, wo sie ihre Probleme haben. 

Immer mal wieder höre ich vom Besitzer: „Ich verstehe das gar nicht! Das geht zu Hause viel besser, da hat er zu Hause gar kein Problem mit.“  

Warum ist das wohl so?  Was sehe ich, wenn ich Pferd und Besitzer mal allein machen lasse und nur mal beobachte?  

Ich bitte um korrektes Arbeiten: „Bitte ein wenig mehr Kontakt halten, bitte ein wenig größeren Schritt erbitten, bitte ein wenig mehr Stellung, bitte mal einen halben Kreis versuchen“……… und schon geht das Theater los. Das erste Pferd dreht um, geht seinen eigenen Weg, beobachtet schlangenartig jeden kleinen Stellungsfehler des Menschen um umzudrehen und aus der Nummer rauszukommen. Besitzer 1 korrigiert das mit ganz viel Geduld und Verständnis akribisch und in Ruhe stoisch und geduldig, jeweils 2 Minuten später das gleiche Bild.  Das wiederholt sich ein paarmal. Meinen, der Notwendigkeit geschuldet schnell hintereinander folgenden Anweisungen kann Besitzer 1 kaum noch folgen, also muss ich ihr das Pferd einmal aus der Hand nehmen und sie mit den Augen klauen lassen. Die Stimme wird laut, die Peitsche knallt einmal vor der Schulter des Pferdes auf den Boden, das Pferd macht große Augen, startet noch einen Versuch mit gleicher Konsequenz. Es läuft auf der ungeliebten Hand in Stellung und Biegung nach seinen Möglichkeiten los, wird sofort gelobt und gefeiert. Ich bin wieder die freundlichste Person in der Halle und 2 Minuten später schafft das auch die Besitzerin.  

Pferd Nummer zwei (Tinker 😉 ) hat das gleiche Problem mit der gleichen Übung. Der Besitzer ist von Natur aus taff und konsequent, „weist dem Pferd an“ , dass das umdrehen gefälligst zu unterbleiben hat. Das Pferd steht, funkelt den Besitzer an, marschiert rückwärts……  die Peitsche knallt auf den Boden, keine Reaktion, die Peitsche deutet an zu touchieren……. Keine Reaktion….., die Peitsche touchiert  die Kruppe……… das Pferd setzt zum Rückwärts auf den Besitzer zu an…….. das ist der Moment, indem ich auch hier selbst eingreife.

Druck raus, Peitsche weg, dicht ans Pferd, ausatmen. Ich lasse auch diesen Besitzer mit den Augen klauen. In mir ist keine Zank- und Streitenergie……. Ich bin ganz neutral, ich weiß, woher das Verhalten kommt, ich hab Verständnis…….ich lass ihn kurz halten und warte. Gehe dann, ganz dicht an ihm dran, mit der Hand auf seiner Nase vorsichtig mit ihm los. Ich bitte im richtigen Moment um leichte Stellung, bekomme zwei Schritte, Pferd steht, der Hals ist hart wie ein Brett…… ich warte, rede leise mit ihm, er lässt los, ich gehe zwei Schritte, ich gehe  noch zwei Schritte, er steht…….. ich warte…… ich gehe 6 Schritte …… nach 2 Minuten trabt der Tinker neben mir in Stellung für drei-vier Tritte an. Ich übergebe an den Besitzer, der das mit dem Trab nicht ganz hinbekommt, aber sofort nach dem ersten Stehenbleiben sagt: „Oh, der macht sich ja total fest!“ ….. Ja genau…… und am Freitag in der Theorie haben wir über den Sympathikusnerv gesprochen 😉. Nach zwei Minuten trabt das Pferd für zwei Tritte auch mit dem Besitzer.

Die Moral von der Geschichte sind eigentlich  zwei: 

1.: Was Pferd 1 braucht ist für Pferd 2 völlig kontraproduktiv. Es gibt keinen Weg ohne Serpentinen, ohne “um die Ecke denken“ und ohne  „points of return“……Pferde  haben eben IMMER einen Grund für Widersetzlichkeit!  

2.. Warum machen sie das hier und zu Hause nicht? Weil man es sich zu Hause meist gemütlich einrichtet hat.😉 Man trainiert eingeschliffene gemeinsame Bewegungsmuster, und hat sich gegenseitig in einer gewissen Bequemlichkeit und Zufriedenheit eingerichtet. Gymnastisch nicht schädlich, aber auch nicht wirklich förderlich. Das Pferd versucht die Aufgabe  so energiesparend wie möglich und ohne große Veränderung der eigenen Bewegungsmuster zu lösen, der Besitzer geht mit, ist weich und stört nicht. Ich betone ausdrücklich: Das ist TOLL! Als Übungsphasen des Lernens und Verfestigens absolut notwendig. Aber auf Dauer wird es beide nicht weiterbringen.  Dann kommt man zum Kurs und plötzlich ist Schluss mit der Bequemlichkeit. 😉 Probleme werden deutlich und man schält sie nach und nach ab, wie die Häute einer Zwiebel. Beide Pferde wurden aus schlechter Haltung bzw. gruseligem Schulpferdebetrieb heraus gekauft. Das Bewusstsein, dass da schlechte Erfahrungen en Masse drinstecken ist also absolut da. Es fehlt nur ein wenig Erfahrung. Beide sind schon ganz weit gekommen und das ist eine tolle Leistung, vor der ich meinen Hut ziehe. Und trotzdem ist es meine Aufgabe, ihnen nun klar zu machen, dass man sich darauf nicht ausruhen kann. Das ist eine Herausforderung für mich als Trainer und ich freu mich total über die Bemerkung: „Könnte sein, dass du recht hast, ich will das nicht ausschließen.“ Joaaaa….. könnte sein…. denke ich und ertappe mich bei dem Gedanken, dass es bei mir selbst ab und an ganz genauso aussieht. ;-)


Gedanken vom 03.11.2019 zum Thema „Was ist daran leicht?" oder "Vielleicht verpasste Möglichkeiten“.

Auf einer anderen Plattform ging es vor Kurzem um eine Diskussion, die immer mal wieder auftaucht und das auch kontrovers. Das Leichttraben.

Wer es nur zum Lösen und Aufwärmen versteht, verpasst nach meiner Meinung seine Möglichkeiten.Für mich persönlich ist das Leichttraben existentiell, denn mit zwei schweren Bandscheibenvorfällen bin ich gerade erst wieder dabei, mich langsam ans Aussitzen heran zu tasten. In den zwei Jahren, die ich jetzt ausschließlich leichttraben kann, haben ich gelernt, wie wertvoll das Leichttraben sein kann und wieviel man damit eigentlich bewegen kann. Die meisten Reiter verstehen darunter lediglich "Aufstehen-Hinsetzen" und gelernt haben wir nur, "dass wir damit den Rücken entlasten" Aber es ist so viel mehr. Ich kann alle Bahnfiguren, Biegungen, SG auch im Leichttraben reiten.

Jeder weiß, wie sehr das Pferd auf Gleichgewichtsänderung reagiert. Das mache ich mir auch beim Leittraben zunutze. Ich kann ganz wenig leichttraben, mehr aus- als einatmend in einem ganz ruhigen Rhythmus mich einfach nur etwas hochschwingen lassen. Das ist lösend und entspannend für beide. Ich kann aber auch über meinen eigenen Schwerpunkt den Schwung beeinflussen. Den nach vorn oder auch verhaltend und vor Allem auch die Biegung an den äußeren Zügel. Ich kann den Rücken hochholen indem ich ihn gedanklich beim Aufstehen "ansauge" und ich kann mein Pferd auch im Leichttraben leicht versammeln. Je nachdem, ob ich selbst (vom Lot aus gesehen) schwungtechnisch mehr nach vorn, in die Mitte oder nach unten aufstehe bzw. einsitze. Ich kann über das vermehrte Umsitzen einzelne Hinterbeine und die Rumpfträger be- oder entlasten und so bewusst kräftigen oder lösen.

Das ist dann durchaus Arbeit, die den meisten Pferden dazu verhilft, sich wirklich locker durch den ganzen Körper zu bewegen. Sicherlich ist einiges im Aussitzen effektiver, wenn man es schafft, den Rücken zu begleiten und nicht zu stören. Aber das Leichttraben auszuschließen oder als zum Arbeiten als nicht tauglich zu betrachten, wird ihm mM. nach nicht gerecht.


 

Gedanken vom 28.10.2019 zum Thema "Rattenfänger haben nur Flötentöne!"

Was fangen wir nun an mit dem Ergebnis der Wahl in Thüringen (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg)? Es ist erschreckend, ohne Frage. Gerade da, wo die extremste Ausprägung der AfD vorherrscht, ist das Ergebnis, wie es ist. 

Das kann nun auch niemand mehr mit den „Abgehängten“ erklären. Für mich ist das Angst in Verbindung mit Bequemlichkeit. Alles was im Moment an politischer Veränderung so abgeht kann Angst machen und es wird unbequem. Verliere ich das, was ich (vielleicht schon zum zweiten Mal) aufgebaut habe? Will man mir immer nur ans Geld? Muss ich raus aus meiner Komfortzone? Das will man natürlich nicht. Dazu kommt das ständige Kreisen der Altparteien um sich selbst und um Probleme, die an den Menschen völlig vorbeigehen.  Meine Heimatstadt ist das beste Beispiel. Was hier an Schwachsinn abgeht lässt Berliner Bürger aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauskommen. Teilweise möchte man hier die Gesellschaftsordnung in die andere Richtung verändern.  Da hat „Die Linke“ in Thüringen noch mal Glück gehabt, dass Herr Ramelow ein eher pragmatischer Vertreter seiner Partei ist.

Die Wahlergebnisse erschrecken und sie gefallen mir nicht. Aber ich denke auch, wir dürfen jetzt nicht die gleichen Fehler machen, die wir bei AfD und Co kritisieren: Nämlich ausgrenzen und wegschicken. Wir müssen reden Deutschland! Das wurde schon seit den Pegida-Zeiten in Dresden versäumt. Ob ein trotziges Kind, ein unkooperatives Pferd oder ein „Protestwähler“.  Mit Strafe und Schuldzuweisung erntet man nur mehr Protest! Schlau machen, argumentieren, Sachthemen hinterfragen, versuchen einen anderen Weg zu zeigen.

Eine andere Chance haben wir nicht.  Ich werde niemanden „entfreunden“, der bereit ist, mit mir zu diskutieren. Ich werde auch nicht knapp über 20% der Wähler als „braune Brut“ bezeichnen. Denn ich kenne mehrere und weiß, dass es ganz bestimmt nicht so ist.  Ich werde die Hoffnung auf die Vernunft nicht aufgeben. Denn ansonsten würde ich resignieren und ich wäre auch nichts weiter ein Populist. Reden schwingen und schimpfen ohne sinnvolle Taten folgen zu lassen. Das ist nicht meine Art. Meine Tat ist, sich auseinanderzusetzen. Jammern, wütend um sich schlagen und Wehklagen bringen uns nicht weiter.

Plan B muss her: Die  Menschen wieder in die andere Richtung mitnehmen!


Gedanken vom 21.10.2019 zum Thema „Stutenbissigkeit“ oder „Die Sache mit dem Wald….“

Immer wieder fällt mir auf, wieviel Zeit und Energie Menschen aufwenden, um Meinungen die von der eigenen abweichen oder Einstellungen, die nicht die eigene widerspiegeln, in Grund und Boden zu zerreden bzw. zu zerschreiben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Toleranz und die innere Ruhe der Menschen auch geringer werden, je mehr die Bekanntheit zunimmt.

Zu viele haben sich einem System verschrieben, in welchem Metier auch immer und verteidigen dies bis aufs Blut. Ob eine andere Meinung nun korrekt, schwammig oder einfach auch mal überdenkenswert ist…….. sie wird abgelehnt.

Die Debattenkultur in unserem Land ist so gut wie nicht mehr existent. Im wahren Leben nicht und im Netz schon gar nicht. Ganz besonders aufgefallen ist mir das neulich, beim Schauen einer Fernsehdebatte vor den Wahlen in Österreich. Man kann zu den dortigen Parteien stehen wie man will, aber dort lässt man sich ausreden und kontert leise und höflich. Was passiert hier? Jeder regt sich auf über den US-amerikanischen Präsidenten. Aber ganz viele benehmen sich „trumpiger“ denn je.

Was unsere Branche betrifft, wird es immer schlimmer. Das mehrere Wege nach Rom führen könnten, solange sie pferdegerecht bleiben, ist oft in Vergessenheit geraten.  Marketing ist wichtig. Ganz zweifelsfrei. Nur wollen wir es so handhaben, wie in der Showbranche?

Jeder negative Beitrag ist auch Werbung? Manchmal drängt sich einem wirklich das Gefühl auf, dass es vorrangig nur ums Verkaufen geht und inzwischen weniger darum, dass Pferde und Menschen ein durchdachtes und gesundheitsförderndes Training bekommen. Dass mit diesen ganzen Streitereien normale Pferdebesitzer zusätzlich verunsichert und die Lager weiter gespalten werden, ist eine weitere fatale Folge solcher Gebaren. Dass denkende Menschen sich aber auch Gedanken machen, wie Personen mit Kritik und Einwürfen anderer umgehen, vor Allem dann, wenn sie selbst auch ganz gut austeilen können, wird offenbar wegen verletzter Eitelkeit und „überschäumendem Temperament“ 😉 vergessen.  Schade! Denn gerade in unserer Branche würde man mit einer respektvollen Debattenkultur viel erreichen können. Wissen vermitteln und Pferdeleben und Training besser machen. Auch das ist Marketing wie einige eindrucksvoll beweisen. Für mich die deutlich bessere Variante!


Gedanken zum Mittwoch 02.10.2019:  Was Gemüse und Weiterbildung gemeinsam haben.. oder  "Regional ist nachhaltig"

Eine liebe Kollegin und Freundin von mir hat heute in den „sozialen“ Medien 😉 einen Begriff aufgebracht: Nachhaltigkeit der Wissensvermittlung...... ein tolles Thema.

Leider ist das in unserem immer schneller werdenden Alltag mit der damit verbundenen Oberflächlichkeit schwierig zu vermitteln.

Nachhaltigkeit hat nämlich immer was mit Einstellung zu tun. Mit lebenslangem Lernen, mit der Bereitschaft, sich selbst als unfertig und wissensbedürftig zu reflektieren. Die Bereitschaft schwindet nach meiner Erfahrung immer häufiger. Man möchte lieber entertaint werden. Veranstaltungen, die eher eine Comedyshow sind, als effektive Weiterbildung, werden gern und gut gebucht. Ein sachlicher Workshop zum komplexen Thema Pferdeausbildung, in welchem Bereich auch immer, hat es aber zur Zeit schwer, die Mindestteilnehmerzahl zu erreichen.

Die Info kriegt man ja vermeintlich auch im Netz.  Das Angebot ist groß, und das ist auch gut so. Aber ich gebe zu bedenken, dass „Tapen für den Hausgebrauch“, „Wie physiotherapiere ich mein Pferd selbst“, " Hufbearbeitung leicht gemacht" oder auch „ Laser für Anfänger“ ( alles fiktive Titel!) 😉 Dinge sind, für die die entsprechenden Therapeuten 2 und mehr Jahre Ausbildung und weitere Jahre der praktischen Erfahrung benötigen, um gut zu werden. Das lernt man nicht eben mal an einem Wochenende. Leider ist es oft so, dass die Pferde dann im günstigsten Fall nicht profitieren. Den weniger günstigen  Fall wollen wir uns gar nicht erst ausmalen.

„Schuster bleib bei deinen Leisten“ ist immer noch wahr. Grundlagenwissen ist wichtig! In jedem Level des Reitsports. Es gibt auch ab und an einen cleveren Tipp bei FB und Co. Das will ich gar nicht bestreiten. Zumindest solange Idealisten im Sinne unserer Pferde weiter Zeit und Mumm haben, gegen die allgemeine Oberflächlichkeit anzuschreiben. 😉  In den entsprechenden Gruppen findet man nicht nur zu einem Thema 15 Meinungen von 13 verschiedenen Leuten, sondern manchmal auch haarsträubende Tipps, die man besser nicht anwenden sollte. Unreflektiert und praxisfern nachgemacht, macht man alles vielleicht eher schlimmer.

 Dabei geben  gerade Angebote  in  regionalen Veranstaltungen zu interessanten Themen  die Chance,  sich in kleinerem Rahnen zu trauen Nachfragen zu stellen, tiefere Erklärung zu bekommen, nah dran zu sein und das Ganze dann vielleicht auch noch im Nachgang wegen der geringeren Entfernung gemeinsam  ins Praktische zu überführen. So sieht Nachhaltigkeit aus. Sich schlau machen, eine Meinung bilden, nachfragen, nacharbeiten, unter Anleitung dranbleiben. Das alles geht „ums Eck“ besonders gut. Schaut einfach mal in eurer Region. Ihr werdet staunen, wo überall sich kompetente Leute verstecken, die "erreichbar" sind. Nicht nur territorial! 😉


Gedanken zum Montag 23.9.2019:  Das Ding mit der Komfortzone

Er ist schmal, der Grat zwischen noch nicht können, gar nicht können und  nicht wollen. Und der Unterschied ist manchmal so schwer zu erkennen.

Trotzdem müssen wir als Trainer unserer Pferde jeden Tag diese Entscheidung treffen. Sei es der Kasper, der es mit dem Anstand nicht so hat, der Jungspund, der sich mit dem Galopp schwer tut oder die Omi, die etwas steif und arthrotisch geworden ist. 

Zuerst sind wir es, die aus unserer Komfortzone müssen, denn es ist allemal bequemer, das Schwierige zu vermeiden. ;-) Klare Regeln und eine liebevolle Konsequenz sind aber für den Kasper wichtig. Und für den Menschen die Lebensversicherung. Den ungeliebten Galopp über clevere , aber natürlich auch anstrengende Übungen  weiter zu verbessern kostet Kraft und Engagement auf beiden Seiten. Und die arthrotische Omi wird vom Rumstehen nicht beweglicher, auch wenn einen am Anfang der Stunde  fast das schlechte Gewissen plagt, beim Anblick des Gangbildes.  Will man sein Pferd  pferdegerecht trainieren, muss man Komfortzonen erweitern. Das heißt nicht, dass man über Lahmheiten hinweg reitet oder longiert.  So etwas bedarf natürlich einer Abklärung. Aber die beste Prävention und Reha sind  immer noch gutes, durchdacht aufgebautes Training. Unsere Pferde haben uns nicht weniger lieb, wenn wir sie liebevoll und pferdegerecht fordern. Im Gegenteil. Das Stichwort dazu lautet:  Myokine

Die Ausschüttung von Myokinen erfolgt in der Muskulatur und den Faszien. Myokine sorgen für die Gesunderhaltung und Selbstheilung des Körpers und stärken das Immunsystem . Muskeln und Faszien interagieren so direkt mit dem Immunsystem. Die Myokinausschüttung erfolgt optimal in kurzen aber intensiven Anstrengungsphasen mit darauf folgenden aktiven Pausen. Regelmäßiges Training an oder auch mal über die Komfortzone ist also aktives Gesundheitsmanagement. In diesem Sinne. Auf in eine aktive Herbst- und Wintersaison. Eure Beate


Gedanken zum Mittwoch 14.8.2019:  Von unterschiedlichen Prioritäten oder „Alles hängt zusammen.“

„Pferde-Gerecht-Trainieren“…… dieser Passus im Namen meiner Website hat ja eine zweiseitige Bedeutung : „pferdegerecht trainieren….“ und „Pferde gerecht trainieren.…..“ .

„Wo ist der Unterschied?“ fragen sich vielleicht einige Jüngere, die das Pech hatten, nach der neuen Rechtschreibung Deutschunterricht zu haben. 😉 Aber Spaß beiseite: Wie dicht beides zusammenhängt habe ich letzte Woche wieder einmal erlebt.

Vor Allem, dass es eben genau nicht nur darauf ankommt: Auf das Trainieren.

Es gibt Reitanlagen, da passt für das Training vieles bis alles: Eine schöne Halle, ein toller Außenplatz, vielleicht noch ein Vielseitigkeitsterrain oder extreme Trail für die Abwechslung. Doch was, machen die Pferde die restlichen Stunden des Tages?  

Ist eine nicht sehr große Paddockbox in der heutigen Zeit noch pferdegerecht? Wie steht es um freien Auslauf, auch wenn man vielleicht in einer Weiterbildung zweimal am Tag trainiert? Müssen sich völlig fremde Pferde es einfach mal auf wenig Platz nebeneinander aushalten? Müssen unsere Pferde da einfach durch?

Ich sage: Nein, müssen sie nicht. Denn es gehört auch das zum Pferde-gerecht  Sein:  Die eigenen Ansprüche hinter die des Pferdes zurück zu stellen und wenn es nicht passt, den Anker zu werfen. Auch wenn es beschwerlich ist, man sich sicherlich  nicht beliebt macht und es Geld kostet.

Denn wenn das Pferd mental dicht macht, sind nicht nur Verletzungen vorprogrammiert, sondern man verliert neben noch mehr Geld, weil das Training nichts bringt, noch viel mehr: Die Freude seines Pferdes und die eigene Freude. Und dann wird jedes Training ungerecht!

In diesem Sinne: Überprüft, was ihr als normal empfindet. Denn eure Pferde haben Ansprüche, auch wenn manche das manchmal gar nicht mehr so eindrücklich zeigen, weil sie es kaum anders kennen.

Wichtig sind weniger die Halle und der Platzboden. Wichtig sind genug Heu, genug Platz, freie Bewegung und im Heimatstall eine funktionieren Herde mit Freunden. So würden sich schon ganz viele umgangstechnische und auch gesundheitliche Probleme fast wie von Zauberhand lösen.

Schaut euren Pferden in die Augen und fragt euch, ob es Freude ist, was ihr da seht. 

Wenn ihr nur die leisesten Zweifel habt, ändert was! Für euch ist  die Zeit mit eurem Pferd eine begrenzte  Zeitspanne in eurem Leben.

Für euer Pferd ist es sein GANZES Leben!  Eure Beate


 

06.08.2019, 23.03 Uhr: 

Heute hab ich Gedanken. Und zwar fröhliche, denn ich sitze gemütlich in Wedel bei Hamburg und habe soeben meine neue Homepage ganz alleine fertig gebaut. Hätte nicht gedacht dass ich das tatsächlich kann. Sicher wird es im Laufe der Zeit noch das eine oder andere facelifting geben. Aber erst einmal ist alles  so, wie ich es mir vorgestellt habe. Erfahrungslernen: Check!


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